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Aktionstag Gefäßgesundheit
am 25. Juni 2011

Die sogenannte „Schaufensterkrankheit“ betrifft ca. 4,5 Millionen Menschen in Deutschland1. Dabei handelt es sich um eine Durchblutungsstörung, die häufig durch Arterienverkalkung ausgelöst wird und zu Schmerzen beim Gehen und in schweren Fällen auch in Ruhe führen kann. Das Aktionsbündnis „Verschlusssache PAVK“ startet am 25. Juni 2011 mit einem Aktionstag die Aufklärung rund um die Behandlung dieser Erkrankung. PAVK steht dabei für den medizinischen Begriff der Erkrankung: periphere arterielle Verschlusskrankheit.

Eine noch wenig bekannte Therapieoption der Schaufensterkrankheit ist die Rückenmarkstimulation. Bei fortgeschrittener Erkrankung, wenn die konservative (z.B. Physiotherapie) und medikamentöse Therapie nicht mehr greifen und operative Eingriffe wie z.B. ein Bypass (Überbrückung der Gefäßengstelle) nicht möglich sind, kann sie eingesetzt werden. Eine aktuelle, auf wissenschaftlichen Studien basierende Leitlinie2 spricht sich in diesen Fällen für die Austestung der Rückenmarkstimulation aus.

Wie die Rückenmarkstimulation funktioniert, können Sie in dieser Broschüre nachlesen.

Alle Fragen zur Therapie der PAVK mittels Rückenmarkstimulation beantwortet Ihnen Ihr Arzt. Unter "Behandlungszentrum in Ihrer Nähe“ finden Sie auch mögliche ärztliche Ansprechpartner für diese Therapie.

Weitere Informationen zum Aktionstag Gefäßmedizin finden Sie unter www.verschlusssache-pavk.de.

Anmerkungen

  1. http://www.verschlusssache-pavk.de/fileadmin/user_upload/Zahlen_Daten_Fakten.pdf. Zugriff am 15.06.2011.
  2. http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/041-002.html. Zugriff am 07.01.2011. Leitlinien sind Handlungsempfehlungen für Ärzte.

Neue Behandlungs-Leitlinien der ärztlichen Fachgesellschaften zur Schmerztherapie

"Die "Leitlinien" [...] sind systematisch entwickelte Hilfen für Ärzte zur Entscheidungsfindung in spezifischen Situationen. Sie beruhen auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und in der Praxis bewährten Verfahren und sorgen für mehr Sicherheit in der Medizin [...]"1

Schmerzen werden von Ärzten aus verschiedenen medizinischen Fachrichtungen (zum Beispiel Anästhesie, Neurochirurgie, Psychologie) behandelt. Heute arbeiten diese Fachrichtungen häufig zusammen, um eine effiziente Schmerztherapie zu erreichen. Dabei sollen Qualität der Behandlung und Vorgehensweise nachvollziehbar sein und im Einklang mit wissenschaftlichen Erkenntnissen stehen. Um dies sicherzustellen, werden Leitlinien durch Ärzte der verschiedenen Fachrichtungen entwickelt. Die Leitlinien werden in regelmäßigen Abständen aktualisiert. Auf dieser Seite finden Sie Informationen und Auszüge aus zwei aktuellen Leitlinien zur Therapie chronischer Schmerzen.


 

Leitlinie vom 01.06.2009: Langzeitanwendung von Opioiden bei nicht tumorbedingten Schmerzen (LONTS)2

Es gibt nur wenige Studien, die auf hohem wissenschaftlichem Niveau untersuchen, wie wirksam Opioide bei chronischen, nicht tumorbedingten Schmerzen in der Langzeitanwendung2 sind. Aufgrund dieser Studienlage empfiehlt die Leitlinie eine Langzeitanwendung von Opioiden nur in Verbindung mit weiteren schmerzlindernden Maßnahmen. Auch wenn die Opioide Schmerzen nur geringfügig lindern, können sie doch Schlaf und körperliche Funktionalität positiv beeinflussen. Trotzdem bricht jeder dritte Patient die Therapie mit Opioiden während der Langzeitanwendung ab, weil sie nicht wirken oder Nebenwirkungen haben.

"Eine Langzeitanwendung opioidhaltiger Analgetika kann unter bestimmten Bedingungen bei Patienten mit chronischen neuropathischen Schmerzen sowie bei Rücken- und auch bei Gelenkschmerzen erwogen werden".3

Opioide sollten gemäß der Leitlinie jedoch nicht eingesetzt werden:

  • bei allen primären Kopfschmerzen
  • bei ausschließlich in Anfällen auftretenden Schmerzen mit schmerzfreien Intervallen
  • bei funktionellen und somatoformen (nicht auf eine organische Ursache zurückzuführenden) Störungen (kardial, gastro-intestinal, urologisch, gynäkologisch)
  • Wenn offensichtlich Situationen mit psychischen Befindlichkeiten die Schmerzen auslösen.

Die Leitlinie empfiehlt, dass bereits nach sechs Wochen Anwendungsdauer geprüft werden sollte, ob die Behandlung mit Opioiden wirksam ist und fortgeführt werden soll. Zusätzlich wird empfohlen, nach einer Zeit von drei Monaten bis zu einem halben Jahr eine Opioidpause einzulegen. Während dieser Pause können Dosis und Indikation überprüft werden, zum Beispiel um einer Überdosierung vorzubeugen oder das Risiko einer Abhängigkeit zu reduzieren.

Die gesamte Leitlinie können Sie im Internet nachlesen, unter diesem Link.

Wenden Sie sich an Ihren Arzt, wenn es um Risiken und Nebenwirkungen, Indikationen und Kontraindikationen einer Opioidtherapie sowie um eine mögliche Anwendung der Therapie bei Ihnen geht.


 

Leitlinie vom 01.04.2010: Epidurale Rückenmarkstimulation zur Therapie chronischer Schmerzen4

Die epidurale Rückenmarkstimulation (Neurostimulation) ist eine Therapiemöglichkeit, die bei bestimmten Formen neuropathischer Schmerzen oder Schmerzen aufgrund von Durchblutungsstörungen eingesetzt werden kann. Das Verfahren moduliert (beeinflusst) das Nervensystem und erfordert einen kleinen chirurgischen Eingriff. Es kann jederzeit beendet und/oder rückgängig gemacht werden.

Gemäß der Leitlinie kommt die epidurale Rückenmarkstimulation zum Einsatz, wenn

  • die Ursache für die chronischen Schmerzen durch einen Eingriff nicht beseitigt werden kann.
  • die Schmerzen mit konservativen, das heißt medikamentösen, physikalischen (zum Beispiel Krankengymnastik, Wärme) und/oder psychologisch-psychotherapeutischen Verfahren (zum Beispiel Verhaltenstherapie, Schmerzbewältigung, Entspannungstraining nach Jacobson) nicht ausreichend gelindert werden können.

Für verschiedene Krankheitsbilder wird entsprechend der Leitlinie empfohlen, die Neurostimulation zu testen – vorausgesetzt, die Patienten wurden vorher adäquat mit konservativen Methoden behandelt:

  • Komplexes regionales Schmerzsyndrom Typ I (CRPS I, früher auch: sympathische Reflexdystrophie, Morbus Sudeck, Algodystrophie)
  • Failed Back Surgery Syndrome (FBSS): entspricht den deutschen Begriffen Postdiskektomie oder Postnucleotomie Syndrom und bedeutet, dass nach einer Rückenoperation anhaltende Schmerzen im Rücken und Beinbereich auftreten können.
  • Angina pectoris (Herzenge)
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK, "Schaufensterkrankheit")

Bei anderen neuropathische Schmerzarten oder bei Schmerzen aufgrund von sonstigen Durchblutungsstörungen kann laut Leitlinie ein Test der Neurostimulation erfolgen, die Studienlage reicht jedoch nicht aus, um einen Test der Neurostimulation zu empfehlen oder zu verwerfen.

Die Leitlinie gibt an, dass - auch wenn die Neurostimulation erfolgreich ist - begleitende Therapien, vor allem Physio- und Ergotherapie beim komplexen regionalen Schmerzsyndrom Typ 1, fortgeführt werden sollten.

Die gesamte Leitlinie, auch in einer unter Mitarbeit der Deutschen Schmerzliga e.V. entstandenen Version für Patienten, können Sie im Internet nachlesen, unter diesem Link.

Wenden Sie sich an Ihren Arzt, wenn es um Risiken und Nebenwirkungen, Indikationen und Kontraindikationen einer epiduralen Rückenmarkstimulation sowie um eine mögliche Anwendung der Therapie bei Ihnen geht.

Anmerkungen

  1. http://www.awmf.org/leitlinien.html, 07.01.2011.
  2. Es gibt kaum Studien zu einem Anwendungszeitraum von Opioiden von über drei Monaten. Daher definiert diese Leitlinie die "Langzeitandwendung" als einen Einnahmezeitraum von drei Wochen bis drei Monaten.
  3. http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/041-003.html, 07.01.2011.
  4. http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/041-002.html, 07.01.2011.
Letzte Aktualisierung der Website: 17 Jun 2011